Welt-Stillwoche (02. - 08.10. 2017): Mit Vormilch gegen Blutzuckerschwankungen

UKM-Foto/Graffe: Diabetikerin Lena Woestmann freut sich, dass sie ihren Sohn Arno mit dem nährstoffreichen Kolostrum ernähren kann.
Neue Methode der Vormilchgewinnung wird seit einigen Wochen in der Geburtshilfe erprobt / Kolostrum ideal nicht nur bei Kindern von Diabetikerinnen
ukm/aw
Kolostrum - also die „Vormilch“, bevor die eigentliche Muttermilch „fließt“ - ist mit Sicherheit eine der wertvollsten Flüssigkeiten der Welt. Mit den vielen enthaltenen Nähr- und Abwehrstoffen ist sie von Natur aus perfekt auf die Bedürfnisse von Neugeborenen abgestimmt. Was für gesunde Babys gilt, ist für diejenigen, die mit  Vorbelastung zur Welt kommen, erst recht wichtig und richtig. „Insbesondere Kindern von Frauen mit Diabetes in der Schwangerschaft hilft das Kolostrum für einen guten Start ins Leben“, weiß die Oberärztin der UKM Geburtshilfe, Kathrin Oelmeier de Murcia. Sie ist als Still- und Laktationsberaterin IBCLC vom Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen zertifiziert. Seit einigen Wochen leitet Oelmeier de Murcia ein Projekt, in dem werdende Mütter mit Diabetes schon in den letzten Wochen der Schwangerschaft ihre Vormilch selbst gewinnen können. „Dazu geben wir den Frauen eine Anleitung, wie sie selbst ihre Brust massieren, die Vormilch mit Hilfe von Spritzen auffangen und danach hygienisch und steril aufbewahren können“, erklärt die Oberärztin. „Oft handelt es sich nur um wenige Tropfen der Vormilch, die es für eine erste Mahlzeit ihres Babys braucht. Trotzdem ist das für das Kind unersetzlich – es wirkt sozusagen wie eine erste Impfung im Immunsystem des Kindes.“

Durch seine besondere Zusammensetzung stabilisiert das Kolostrum den Blutzucker des Neugeborenen – das ist besonders wichtig für Mütter mit Diabetes, deren Kinder schon im Mutterleib Blutzuckerschwankungen ausgesetzt waren. „Kolostrum hat unschätzbare Vorteile gegenüber einer ersten Fütterung mit industrieller Formulanahrung oder Zuckerlösung, wie sie sonst gerne verabreicht werden. Deswegen sollte es die Nahrung sein, die ein Säugling nach der Geburt als erstes zu sich nimmt“, so Oelmeier de Murcia.

Unangenehm sei den Müttern das Gewinnen und Aufbewahren ihres Kolostrums übrigens nicht, so Oelmeier. Im Gegenteil: Da der Nutzen auf der Hand liegt, machen Mütter wie Lena Woestmann gerne mit. Die 34-Jährige ist selbst Diabetikerin und brachte in dieser Woche ihr drittes Kind Arno zur Welt: „Ich habe als eine der ersten beim Kolostrum-Projekt mitgemacht, weil ich auch generell auf industrielle Nahrung für meinen Sohn verzichten will. Außerdem ist Kolostrum so wertvoll, weil es verhindern kann, dass die Kinder wegen der Blutzuckerschwankungen doch in die Kinderklinik müssen. Bei Arno hat das bisher gut geklappt!“
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